Wir befinden uns im Norden Simbabwes, im südlichen Afrika, wo der Kariba-Stausee die Grenze zu Sambia bildet. Zubo Trust, eine eingetragene Nichtregierungsorganisation (NRO), wurde 2009 von indigenen Frauen des Sambesi-Tals im entlegenen Bezirk Binga gegründet. Diese Gründunsgruppe von Frauen mit Ausbildung und Engagement wusste sehr wohl von der Notwendigkeit, den Lebensstandard ihrer Mütter und Schwestern in den Dörfern zu verbessern; kannte aber ebenso das Potenzial der Frauen in den ländlichen Gebieten, auf dem Boden von Tonga-Kultur und traditioneller Teamarbeit unter Frauen über „sich selbst” hinauszuwachsen.

Zubo setzt sich für die wirtschaftliche Selbstständigkeit der Frauen in den Dörfern ein und initiiert dazu einen Wachstumsprozess mit sozialem Wandel von unten. Die geduldige, schrittweise Arbeit der Zubo-Frauen beginnt mit der Sensibilisierung von Ehemännern, politischen Entscheidungsträgern und traditionellen Führern (Chiefs) für die gesellschaftlichen Rechte von Frauen. Gleichzeitig begleiten sie die Entstehung sozialer Räume für Frauen vor Ort. Dies sind oft Frauen-Diskussionsforen, wo Frauen selbst die Verwirklichung ihrer sozialen Rechte lokal voranbringen, bis hin zu Zugang zu, bzw. Nutzung der natürlichen Ressourcen der Region, den Fisch z.B. Heute unterstützt Zubo mehr als 700 Frauen auf den Dörfern in verschiedenen Produktionskollektiven, wie für die Tonga-Korbflechtkunst aus Palmenblättern, und Genossenschaften, wie für die Seifenherstellung aus Jatropha Samen und den Fischfang.

Die Fischereigenossenschaft „Bbindawuko Banakazi“ – kurz BB genannt, was „Unternehmerinnen” in ChiTonga bedeutet – sind seit mehr als 60 Jahren die ersten Tonga-Frauen, die das Fischen auf dem Kariba-See für die Frauen zurückgewonnen haben. Dieses Projekt der BB-Koop möchten wir hier näher vorstellen, um zu entschlüsseln, wie es den Zubo-Frauen gelingt, in den abgelegenen Gebieten Nord-Simbabwes, sozialen Wandel anzustoßen. Wir, das sind Mitglieder des Zubo-Büros, derzeit drei Frauen, drei Männer und Geschäftsführerin, Rosemary Cumanzala in Binga und Claudia Wegener alias Radio Continental Drift in Hamm Westfalen (D). In Zeiten der Covid-19-Pandemie arbeiten auch wir mit digitalen Mitteln weiterhin zusammen. (1)

Historisch gesehen genossen BaTonga Frauen in einer matrilinealen Gesellschaft erhebliche Rechte und wirtschaftliche Teilhabe in ihren Dorfgemeinschaften. Vor der gewaltsamen Umsiedlung der Talbevölkerung fischten Tongafrauen gemeinschaftlich im Sambesi mit dem „Zubo“, einem aus Zweigen geflochtenen Fangkorb.

Ein Entwicklungsprojekt der Weltbank unter der Kolonialregierung von „Rhodesien“ hatte 1958 zum Bau eines Staudamms und zur Überflutung des Sambesi-Tals geführt. Die indigene Bevölkerung verlor buchstäblich alles. Seitdem ist sie von humanitärer Hilfe abhängig. Das Volk der Tonga wurde gespalten; heute sind sie StaatsbürgerInnen Simbabwes bzw. Sambias. Die Ufer des Kariba-Sees wurden zum großen Teil staatliches Eigentum, d.h. dem Tourismus bzw. privaten Investoren vorbehalten; die Fischerei aber wurde, und blieb eine industrielle Domäne von Männern. Es sind Männer, die nachts mit sogenannten „Rigs” auf dem See Kapenta fischen. Die Tongafrauen verloren so mit ihrem Land und Zugang zum Fluß auch ihren gemeinsamen sozialen Raum, ihre Rechte und Teilhabe als selbstständige Frauen in der Gesellschaft.

Seit Gründung 2009 hatte das Zubo-Team an der Initiative „BB-Koop” gearbeitet, die endlich 2011 den Frauen neben den Männern Fischereirechte am Kariba See gewährte: BB, die erste Fischereigenossenschaft in Frauenhand begann auf einer fachgerecht gebauten, frauenfreundlichen Rig namens Zubo – also, traditioneller Fangkorb – zu fischen. Die „Bindawuko Banakazi Cooperative Ltd.” zählt zehn weibliche Mitglieder und zwei männliche Angestellte. Für die Realisierung ihres Gründungstraums konnte Zubo sich erfolgreich auf die oben genannten Mittel, die Sensibilisierung der Männer und die Schaffung von Frauenforen stützen, denn dass z.B. Frauen Männer einstellen, war nicht üblich in Binga. Strategisch entscheidend war letztlich auch eine enge Zusammenarbeit mit der Lokalstelle des Ministeriums für Frauenangelegenheiten so wie die Einbeziehung der traditionellen Chiefs in allen lokalen Aktivitäten. Strategien übrigens, die Zubo als erfolgreich beibehalten hat.

Zubos Erfahrung nach steigt mit einer verbesserten wirtschaftlichen Beteiligung der Frauen ihr allgemeiner Lebensstandard, ihr Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Die Frauen tendieren dann eher dazu, sich an Gemeinde-Entscheidungen zu beteiligen, was wiederum zu Veränderungen in sozialen Praktiken und Machtverhältnissen führen kann, die auf Familienebene beginnen; und schließlich gesellschaftliche Maßnahmen mobilisieren, die auch zu politischer Partizipation führen. Zubo Trust begleitet diesen gesellschaftlichen Wandel mit Schulungen und Weiterbildungen in ihren Geschäftsfrauen-Koops. So konnte auch ein Verein erfolgreich etabliert werden, der die Frauen und ihre Anliegen in den Sitzungen der örtlichen, ganz und gar männlich besetzten Fischereiunion vertritt.

Im Rahmen von Weiterbildung und Selbst-emanzipation führte 2016 Zubos Zusammenarbeit mit Radio Continental Drift zum Projekt „Women record Women Stories”. Ausgehend von „hands-on”-Training in auditiven Medien und einem Oral History Projekt auf Dorfebene sollten Handlungskompetenzen in Sachen Medien unter den Zubo-Frauen mobilisiert werden. Partizipative Formen der Forschung, Dokumentation und Auswertung sind ein wichtiger Aspekt in Zubos „Self-empowerment” Mission. Auch der Besitz eigener digitaler Ausrüstung kann hier schon emanzipierend sein. (2) Mit den so entstandenen Tonaufnahmen der Zubo Frauen konnte in Partnerschaft mit dem Gemeinderadio Zongwe FM in Sambia sogar der Erfahrungsaustausch unter Frauen zu beiden Seiten des Flusses (bzw. Kariba-Sees) wiederbelebt werden. Hier verursachte Zubos Fischereiprojekt eine kleine Revolution; denn die Frauen im ländlichen Sambia genießen solche wirtschaftliche Teilhabe noch nicht. Relevante Radiosendungen von Zongwe FM mit O-Tönen aus Binga sind in Zubos Online-Audioarchiv abrufbar. Die Sammlung inspirierte RadiomacherInnen, KünstlerInnen und ForscherInnen zu kreativer Auseinandersetzung mit Zubos Arbeit, Tonga Kultur und Geschichte. Kreative Beiträge sind wiederum online archiviert. (3)

Die Bbindawuko Banakazi Koop vertrat 2018 die südafrikanische Region auf einer internationalen Konferenz zu Fischereiressourcenmanagement in Kenia. Diese Anerkennung hob die eigene Wertschätzung ihres Projekts unter den BB-Frauen. Die Konferenzteilnahme öffnete zudem ihren Blick auf überregionale, wirtschaftliche Initiativen, regte Vernetzung und die Suche nach neuen Marktverknüpfungen an.

Unter dem Einfluß des pandemiebedingten globalen Lockdowns verschärfen sich derzeit weltweit die sozialen Ungleichheiten. Die reparaturbedürftige Rig der Zubo-Frauen konnte seit Monaten nicht gewartet werden, Verdienst bleibt aus, Schulden häufen sich. Und so möchten wir hier zur Unterstützung der Bbindawuko Banakazi Koop aufrufen. (4)

Claudia Wegener

Wir widmen den Artikel dem Andenken von Saliwe. Sie war Mitglied der zehnköpfigen Koop und verstarb unerwartet während dieser Artikel entstand, Anfang November.

Frauenkämpfe in Simbabwe

Die erste Fischereigenossenschaft in Frauenhand auf dem Kariba-See

Wir befinden uns im Norden Simbabwes, im südlichen Afrika, wo der Kariba-Stausee die Grenze zu Sambia bildet. Zubo Trust, eine eingetragene Nichtregierungsorganisation (NRO), wurde 2009 von indigenen Frauen des Sambesi-Tals im entlegenen Bezirk Binga gegründet. Diese Gründunsgruppe von Frauen mit Ausbildung und Engagement wusste sehr wohl von der Notwendigkeit, den Lebensstandard ihrer Mütter und Schwestern in den Dörfern zu verbessern; kannte aber ebenso das Potenzial der Frauen in den ländlichen Gebieten, auf dem Boden von Tonga-Kultur und traditioneller Teamarbeit unter Frauen über „sich selbst” hinauszuwachsen.

Zubo setzt sich für die wirtschaftliche Selbstständigkeit der Frauen in den Dörfern ein und initiiert dazu einen Wachstumsprozess mit sozialem Wandel von unten. Die geduldige, schrittweise Arbeit der Zubo-Frauen beginnt mit der Sensibilisierung von Ehemännern, politischen Entscheidungsträgern und traditionellen Führern (Chiefs) für die gesellschaftlichen Rechte von Frauen. Gleichzeitig begleiten sie die Entstehung sozialer Räume für Frauen vor Ort. Dies sind oft Frauen-Diskussionsforen, wo Frauen selbst die Verwirklichung ihrer sozialen Rechte lokal voranbringen, bis hin zu Zugang zu, bzw. Nutzung der natürlichen Ressourcen der Region, den Fisch z.B. Heute unterstützt Zubo mehr als 700 Frauen auf den Dörfern in verschiedenen Produktionskollektiven, wie für die Tonga-Korbflechtkunst aus Palmenblättern, und Genossenschaften, wie für die Seifenherstellung aus Jatropha Samen und den Fischfang.

Die Fischereigenossenschaft „Bbindawuko Banakazi“ – kurz BB genannt, was „Unternehmerinnen” in ChiTonga bedeutet – sind seit mehr als 60 Jahren die ersten Tonga-Frauen, die das Fischen auf dem Kariba-See für die Frauen zurückgewonnen haben. Dieses Projekt der BB-Koop möchten wir hier näher vorstellen, um zu entschlüsseln, wie es den Zubo-Frauen gelingt, in den abgelegenen Gebieten Nord-Simbabwes, sozialen Wandel anzustoßen. Wir, das sind Mitglieder des Zubo-Büros, derzeit drei Frauen, drei Männer und Geschäftsführerin, Rosemary Cumanzala in Binga und Claudia Wegener alias Radio Continental Drift in Hamm Westfalen (D). In Zeiten der Covid-19-Pandemie arbeiten auch wir mit digitalen Mitteln weiterhin zusammen. (1)

Historisch gesehen genossen BaTonga Frauen in einer matrilinealen Gesellschaft erhebliche Rechte und wirtschaftliche Teilhabe in ihren Dorfgemeinschaften. Vor der gewaltsamen Umsiedlung der Talbevölkerung fischten Tongafrauen gemeinschaftlich im Sambesi mit dem „Zubo“, einem aus Zweigen geflochtenen Fangkorb.

Ein Entwicklungsprojekt der Weltbank unter der Kolonialregierung von „Rhodesien“ hatte 1958 zum Bau eines Staudamms und zur Überflutung des Sambesi-Tals geführt. Die indigene Bevölkerung verlor buchstäblich alles. Seitdem ist sie von humanitärer Hilfe abhängig. Das Volk der Tonga wurde gespalten; heute sind sie StaatsbürgerInnen Simbabwes bzw. Sambias. Die Ufer des Kariba-Sees wurden zum großen Teil staatliches Eigentum, d.h. dem Tourismus bzw. privaten Investoren vorbehalten; die Fischerei aber wurde, und blieb eine industrielle Domäne von Männern. Es sind Männer, die nachts mit sogenannten „Rigs” auf dem See Kapenta fischen. Die Tongafrauen verloren so mit ihrem Land und Zugang zum Fluß auch ihren gemeinsamen sozialen Raum, ihre Rechte und Teilhabe als selbstständige Frauen in der Gesellschaft.

Seit Gründung 2009 hatte das Zubo-Team an der Initiative „BB-Koop” gearbeitet, die endlich 2011 den Frauen neben den Männern Fischereirechte am Kariba See gewährte: BB, die erste Fischereigenossenschaft in Frauenhand begann auf einer fachgerecht gebauten, frauenfreundlichen Rig namens Zubo – also, traditioneller Fangkorb – zu fischen. Die „Bindawuko Banakazi Cooperative Ltd.” zählt zehn weibliche Mitglieder und zwei männliche Angestellte. Für die Realisierung ihres Gründungstraums konnte Zubo sich erfolgreich auf die oben genannten Mittel, die Sensibilisierung der Männer und die Schaffung von Frauenforen stützen, denn dass z.B. Frauen Männer einstellen, war nicht üblich in Binga. Strategisch entscheidend war letztlich auch eine enge Zusammenarbeit mit der Lokalstelle des Ministeriums für Frauenangelegenheiten so wie die Einbeziehung der traditionellen Chiefs in allen lokalen Aktivitäten. Strategien übrigens, die Zubo als erfolgreich beibehalten hat.

Zubos Erfahrung nach steigt mit einer verbesserten wirtschaftlichen Beteiligung der Frauen ihr allgemeiner Lebensstandard, ihr Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Die Frauen tendieren dann eher dazu, sich an Gemeinde-Entscheidungen zu beteiligen, was wiederum zu Veränderungen in sozialen Praktiken und Machtverhältnissen führen kann, die auf Familienebene beginnen; und schließlich gesellschaftliche Maßnahmen mobilisieren, die auch zu politischer Partizipation führen. Zubo Trust begleitet diesen gesellschaftlichen Wandel mit Schulungen und Weiterbildungen in ihren Geschäftsfrauen-Koops. So konnte auch ein Verein erfolgreich etabliert werden, der die Frauen und ihre Anliegen in den Sitzungen der örtlichen, ganz und gar männlich besetzten Fischereiunion vertritt.

Im Rahmen von Weiterbildung und Selbst-emanzipation führte 2016 Zubos Zusammenarbeit mit Radio Continental Drift zum Projekt „Women record Women Stories”. Ausgehend von „hands-on”-Training in auditiven Medien und einem Oral History Projekt auf Dorfebene sollten Handlungskompetenzen in Sachen Medien unter den Zubo-Frauen mobilisiert werden. Partizipative Formen der Forschung, Dokumentation und Auswertung sind ein wichtiger Aspekt in Zubos „Self-empowerment” Mission. Auch der Besitz eigener digitaler Ausrüstung kann hier schon emanzipierend sein. (2) Mit den so entstandenen Tonaufnahmen der Zubo Frauen konnte in Partnerschaft mit dem Gemeinderadio Zongwe FM in Sambia sogar der Erfahrungsaustausch unter Frauen zu beiden Seiten des Flusses (bzw. Kariba-Sees) wiederbelebt werden. Hier verursachte Zubos Fischereiprojekt eine kleine Revolution; denn die Frauen im ländlichen Sambia genießen solche wirtschaftliche Teilhabe noch nicht. Relevante Radiosendungen von Zongwe FM mit O-Tönen aus Binga sind in Zubos Online-Audioarchiv abrufbar. Die Sammlung inspirierte RadiomacherInnen, KünstlerInnen und ForscherInnen zu kreativer Auseinandersetzung mit Zubos Arbeit, Tonga Kultur und Geschichte. Kreative Beiträge sind wiederum online archiviert. (3)

Die Bbindawuko Banakazi Koop vertrat 2018 die südafrikanische Region auf einer internationalen Konferenz zu Fischereiressourcenmanagement in Kenia. Diese Anerkennung hob die eigene Wertschätzung ihres Projekts unter den BB-Frauen. Die Konferenzteilnahme öffnete zudem ihren Blick auf überregionale, wirtschaftliche Initiativen, regte Vernetzung und die Suche nach neuen Marktverknüpfungen an.

Unter dem Einfluß des pandemiebedingten globalen Lockdowns verschärfen sich derzeit weltweit die sozialen Ungleichheiten. Die reparaturbedürftige Rig der Zubo-Frauen konnte seit Monaten nicht gewartet werden, Verdienst bleibt aus, Schulden häufen sich. Und so möchten wir hier zur Unterstützung der Bbindawuko Banakazi Koop aufrufen. (4)

Claudia Wegener

Wir widmen den Artikel dem Andenken von Saliwe. Sie war Mitglied der zehnköpfigen Koop und verstarb unerwartet während dieser Artikel entstand, Anfang November.

https://www.graswurzel.net/gwr/2020/11/frauenkaempfe-in-simbabwe/

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