alonzo.morgane_blatt02_friedenslinien.2020-07-14.jpg
alonzo.morgane_blatt02_friedenslinien.2020-07-14.jpg

Friedenslinien
(englisch: peace lines, peace walls)

Denn physische Grenzen prägen bereits seit 1969 das Bewusstsein der Nordiren. „Friedenslinien“ (englisch: peace lines, peace walls) sind verschiedene Fragmente von Barrieren, die seither in nordirischen Städten nach wiederholten, oft gewalttätigen, Auseinandersetzungen zwischen den Wohngebieten der pro-irischen Republikaner und pro-britischen Unionisten errichtet wurden. Anfangs eine bloß temporäre Lösung zur Beruhigung der Lage wurden sie mit der Zeit nachgerüstet bzw. ausgebaut. Heute sind sie Teil des Alltags und prägen sowohl die Stadt als auch das Leben der Menschen. Dabei erzeugen sie zwiespältige Gefühle, denn durch die Abtrennung einzelner Gebiete fördern sie die Ungewissheit über das Leben und die Menschen auf der anderen Seite. Angesichts dessen empfinden einige Sicherheit angesichts vermeintlicher Gefahr, anderen allerdings sind die Friedenslinien
eine menschenfeindliche, bedrückende Präsenz, die lebendigen Austausch durchtrennt. Der Wunsch, die Mauern niederzureißen, ist die unausweichliche Folge.

Auch lokale Behörden stellt diese ambivalente Wahrnehmung der Friedenslinien vor Herausforderungen: So haben sie auf die Stadtplanung in Belfast großen Einfluss, da die Trennung zu unterschiedlichen Entwicklungen der gegenüberliegenden Seiten führt. So sind z.B. Neubausiedlungen für Nationalisten in unionistischen Gebieten politisch nicht durchsetzbar und der Wohnungsmarkt dadurch gehemmt.

Für die für die Wohnpolitik verantwortliche Northern Ireland Housing Executive (NIHE) sind die Friedenslinien letztlich ein Widerspruch in sich: Sie seien nicht dem Wunsch nach Frieden entsprungen, sondern Konflikten, Spannungen und einer andauernden
Instabilität. (Bericht der NIHE von 1988,
zitiert bei Bollens, Narrow ground, S. 216)

Morgane Alonzo
Source
Actions
Flag